Die Schlaraffia Crefeldensis ist seit 1913 in Krefeld zu Hause — damit gehört sie zu den älteren Vereinen der Stadt. Diese Seite erzählt, woher das Reych kommt, wo es überall gesippt hat und welche Persönlichkeiten des Krefelder Kunstlebens es in seine Reihen erhoben hat.
Gestiftet am 5. April 1913
Am 5. April 1913 — schlaraffisch am 5. des Ostermonds a. U. 54 — wurde die Crefeldensis als Reych Nummer 191 in den Bund Allschlaraffia aufgenommen. Ein „Reych“ ist dabei nichts anderes als der örtliche Verein; die Nummer sagt, als wievieltes es weltweit gegründet wurde.
Neue Reyche entstehen nicht aus dem Nichts, sondern werden von einem bestehenden gestiftet — daher spricht man von Mutter- und Tochterreychen. Unser Mutterreych ist die Ravensbergia (120) in Bielefeld.
Unsere Ahnenreihe bis nach Prag
Jedes Reych führt seine Linie auf die Allmutter Praga zurück — die 1859 in Prag gegründete erste Schlaraffia. Die Kette der Crefeldensis führt über Bielefeld, Essen, Wuppertal, Köln, Breslau, Leipzig und Berlin:
| Reych | Nr. | Stiftung (a. U.) | profan |
|---|---|---|---|
| Crefeldensis (Krefeld) | 191 | 5.4. a.U. 54 | 1913 |
| Ravensbergia (Bielefeld) | 120 | 24.2. a.U. 35 | 1894 |
| Assindia (Essen) | 50 | 13.9. a.U. 24 | 1883 |
| Elberfeldensis (Wuppertal) | 34 | 20.10. a.U. 22 | 1881 |
| Colonia Agrippina (Köln) | 8 | 15.10. a.U. 19 | 1878 |
| Wratislavia (Breslau) | 5 | 23.9. a.U. 17 | 1876 |
| Lipsia (Leipzig) | 3 | 23.8. a.U. 13 | 1872 |
| Berolina (Berlin) | 2 | 24.10. a.U. 6 | 1865 |
| Praga (Prag, Allmutter) | 1 | 10.10. a.U. 0 | 1859 |
Ein Reych, das weitergibt
Elf Jahre nach der eigenen Stiftung stand die Crefeldensis selbst Pate. Am 6. im Christmond — schlaraffisch für Dezember — a. U. 65, profan 1924, genehmigte der Allmutterrat die Gründung der Gladebachum Monachorum in Mönchengladbach; am 27. im Lenzmond, also im März, a. U. 67 — profan 1926 — folgte die Sanktion zum Reych mit der Nummer 252.
Es ist unser einziges Tochterreych, und das Verhältnis hat gehalten: Das Reych in Mönchengladbach nennt die Crefeldensis bis heute sein Mutterreych.
Krefeld 1913 — eine Stadt aus Samt und Seide
Das Reych entstand nicht in einer beliebigen Stadt. Krefeld wird 1105 im Urbar des Klosters Werden erstmals erwähnt und erhielt am 1. Oktober 1373 von Kaiser Karl IV. die Stadtrechte. Reich wurde es später und durch etwas Ungewöhnliches: durch Glaubensflüchtlinge.
Ab 1609 siedelten sich in Krefeld Mennoniten an, weil die oranische Herrschaft religiöse Minderheiten duldete. 1656 kam Adolf von der Leyen aus Radevormwald. 1720 begann Peter von der Leyen mit Seidenband und Samt; um 1763 arbeitete etwa die Hälfte der 6.082 Krefelder in den Betrieben dieser einen Familie, 1768 standen über 700 Webstühle. Die Firma hielt das preußische Seidenmonopol. Daraus wurde der Beiname, den die Stadt bis heute trägt: Samt- und Seidenstadt. Das Stadtschloss, das Conrad von der Leyen zwischen 1791 und 1794 von Martin Leydel errichten ließ, ist seit 1860 das Krefelder Rathaus.
Als das Reych 1913 gestiftet wurde, stand diese Stadt auf ihrem Höhepunkt: eine Webeschule seit 1855, eine Färbereischule seit 1895, das Kaiser-Wilhelm-Museum, zwischen 1894 und 1897 nach Plänen Hugo Kochs errichtet. Wenige Jahre später baute Ludwig Mies van der Rohe hier für zwei Seidenfabrikanten die Häuser Lange und Esters, 1928 bis 1930 — heute Museen. Ein Bund, dessen Wahlspruch In arte voluptas lautet — „in der Kunst liegt die Freude“ —, hatte in einer solchen Stadt einen guten Boden.
Die Uhu-Finsternis
Wie alle deutschen Reyche musste auch die Crefeldensis das Spiel unterbrechen. Am 28. Februar 1937 löste sich der „Bund Deutsche Schlaraffia“ unter dem Druck nationalsozialistischer Forderungen selbst auf; im Juli 1937 verfügte der Reichsführer-SS die Auflösung. Allschlaraffia nennt diese Jahre in seiner Zeitleiste die Uhu-Finsternis. Erst nach dem Krieg wurde das Spiel wieder aufgenommen: 1950 gründete sich in Mainz der Landesverband, 1957 konstituierte sich der heutige Verband Allschlaraffia.
Acht Burgen in gut hundert Jahren
Ein Reych zieht um, wenn es sein muss. Das „Et Klöske“ ist die achte Burg der Crefeldensis. Welche Häuser die ersten sechs waren, ist auf dieser Seite noch nicht aufgeschrieben; aus den Unterlagen belegt sind der Nebenraum einer Gaststätte, in dem das Reych bis in die achtziger Jahre sippte, und danach die Cracauburg im Stadtbad an der Neusser Straße. Von diesen beiden Umzügen erzählen die nächsten Abschnitte — sie sind die Geschichte, an der sich dieses Reych messen lässt.
Zum Namen der Burg bleibt eine Frage offen: Die Deutsche Schlaraffen-Zeitung nennt eine Cracauburg schon zum fünfzigsten Stiftungsfest 1963, also lange vor dem Umbau im Stadtbad, und 1985 dann eine „neue Cracau-Burg“. Der Name zog also offenbar mit dem Reych um. Woher er stammt, konnten wir bisher nicht belegen.
Die Cracauburg — 100.000 Mark und ein halbes Jahr Eigenarbeit
Bis in die achtziger Jahre sippte das Reych im Nebenraum einer Gaststätte. Dann fiel der Blick auf das Stadtbad an der Neusser Straße, das die Stadt Krefeld 1889/90 als eine der prächtigsten Badeanstalten des Niederrheins errichtet hatte — mit Kaiserbad und einem irisch-römischen Bad. Sein Ruheraum und der Umkleideraum sollten die neue Burg werden: ein Tonnengewölbe mit Umkleidekabinen an der Wand.
Die Bedingungen waren hart. Das Reych musste 100.000 DM in bar aufbringen und ein halbes Jahr Renovierung in Eigenarbeit leisten; dafür wurden ihm die beiden Räume für zwanzig Jahre mietfrei überlassen. Im Reych standen Befürworter und Gegner gleich stark; entschieden wurde mit einer Stimme Mehrheit. Danach zog jeder mit: gespendet, Darlehen gegeben, ein halbes Jahr lang jedes Wochenende gearbeitet.
Am 24. im Herbstmond — schlaraffisch für September — 1985 nahm eine außerordentliche Generalversammlung Pläne und Finanzierung an; für den 28. im Lethemond, also im Oktober, wurde die Burgweihe angekündigt. Was daraus wurde, hält der Chronist des Reyches in einem Satz fest: im puren Jugendstil eine der interessantesten Burgen des Uhuversums. Am 31. Dezember 1999 feierte das Reych dort erstmals den Jahreswechsel in eigener Burg — und gleich den Jahrtausendwechsel dazu.
Nach achtzehn Jahrungen — schlaraffisch für Jahre — endete das abrupt. Die Stadt konnte das Stadtbad nicht mehr halten und wollte es verkaufen; dafür musste das Reych heraus. Das Gebäude steht seit dem 4. Juni 1985 als Denkmal Nr. 329 unter Denkmalschutz, wurde 2000 vollständig geschlossen und verfällt seither. Die ganze Geschichte der Cracauburg im Stadtbad lesen Sie hier.
2003 — Einzug ins Klöske
Diesmal sollte es Eigentum werden. Die Stadt wollte sich von der alten Uerdinger Kapelle „Et Klöske“ trennen, weil der Unterhalt zu teuer war; der Kaufpreis von etwa 200.000 Euro war für das Reych nicht aufzubringen. Am Ende zäher Verhandlungen stand eine Kombination aus Erbbaurecht am Gebäude und finanziertem Kauf: 30.000 Euro Anzahlung und fünfundzwanzig Jahre lang je 6.500 Euro, zinslos. Bei dieser Abstimmung gab es keine Gegenstimme und keine Enthaltung.
Am 6. im Lethemond 2003 hielt das Reych seine erste Sippung im Klöske. Die Sanierung des denkmalgeschützten Hauses leistete die Schlaraffia Crefeldensis e. V. über Jahre in Eigenleistung; am 30. Juli 2025 kaufte der Verein das Haus von der Stadt Krefeld. Die Oberlichter des Stadtbad-Ruheraums und der Deckenleuchter zogen mit um und hängen heute in Uerdingen — die alte Burg hängt in der neuen. Die ganze Geschichte des Hauses seit 1403 lesen Sie hier.
Was die Jahrungen füllt
Aus den Belegen des Reychsarchivs lässt sich ablesen, was dieses Reych ausmacht.
Die Grünkohlsippung. Eine Einrichtung, die beim fünfzehnten Mal bereits als traditionell gemeldet wird, mit Turney — dem Wettstreit der Vorträge — und Freunden aus Nah und Fern.
Die Nachbarschaft am Niederrhein. Das Reych erscheint immer wieder im Verbund: eine Junkertafel im Wettstreit der vier Reyche Dusseldorpia, Moellmia, Crefeldensis und Truymannia; eine Reise von sechsundzwanzig Sassen und Burgfrauen der Crefeldensis und der Castellum Novaesium nach Wien im Herbstmond 2007; eine Kissenschlacht in der Dusseldorpia, mit der ein Zwist mit dem eigenen Tochterreych Gladebachum Monachorum geschlichtet und mit einer brüderlichen Umarmung besiegelt wurde.
Der weiteste Ausritt. Vier Ritter der Crefeldensis umrundeten Australien im Kleinflugzeug und besuchten dabei mehrere Colonien und Reyche.
Die Zeitreise. Am 8. im Lethemond 2001 katapultierte die Junkertafel in der 2721. Sippung das ganze Reych in das Jahr 2013 — zur fingierten Hundertjahrfeier, zwölf Jahre bevor sie wirklich stattfand.
Der Nachwuchs. Die Junkertafel zählte einmal siebzehn Sassen und bezeichnete sich als die größte aller Zeiten. Bei einem Ritterschlag drängten sich neunundneunzig Sassen im Klöske.
Das 100. Stiftungsfest
Am 6. April 2013 feierte die Crefeldensis ihr 100. Stiftungsfest; der Saal des Krefelder Stadtwaldhauses wurde für diesen Abend eigens zur Festsippungsstätte geweiht. Zur Jahrung erschien eine Festschrift.
Die Reihe der Stiftungsfeste bestätigt das Stiftungsjahr 1913 aus sich selbst: das fünfzigste am 16. im Lenzmond 1963 in der Cracauburg, das siebzigste am 11. im Ostermond 1983 mit Gastrecken aus neun Reychen, das hundertste am 6. April 2013.
Zwei Persönlichkeiten des Krefelder Kunstlebens
Ehrenschlaraffen sind Persönlichkeiten, die ein Reych posthum in seine Reihen erhebt. Die Crefeldensis hat dafür zwei Männer gewählt, die das Kunstleben dieser Stadt geprägt haben:
- Donnerhall — profan Carl Wilhelm (1815–1873), geboren in Schmalkalden und dort auch gestorben, von 1841 bis 1864 — dreiundzwanzig Jahre lang — Leiter der Krefelder Liedertafel und Komponist der „Wacht am Rhein“. Seine Büste steht in unserer Burg.
- Farben-Camp — profan Heinrich Campendonk (1889–1957), 1889 in Krefeld geborener Maler des „Blauen Reiter“, der sich 1913 — im Gründungsjahr der Crefeldensis — an der Bonner Ausstellung „Rheinische Expressionisten“ beteiligte.
Farben, Wappen, Erinnerung
Die Reychsfarben der Crefeldensis sind schwarz, gold und blau; an der Kappe trägt der Krefelder Schlaraffe die Krähenfeder. Im Wappen sitzt der Uhu über einem Herzschild mit Narrenkopf und Zinke, flankiert von zwei Krähen — darunter die 191.
An der Längswand des Rittersaals hängen rund 95 Wappen gegenwärtiger und vorangegangener Ritter; daneben der Ahallaschrein mit den Bildern derer, die das Reych verlassen haben. Wer die Burg betritt, sieht auf einen Blick über hundert Jahre Reychsgeschichte.
Die geschichtlichen Angaben dieser Seite sind im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv belegt, überwiegend in den Jahrgängen der Deutschen Schlaraffen-Zeitung; die profanen Angaben zur Stadt Krefeld und zu den beiden Baudenkmälern sind einzeln nachgewiesen. Die Angaben zum letzten Vierteljahrhundert — die Beträge, die Abstimmungen, die Zahlen der Junkertafel — stammen aus einem Chroniktext des Archivs, der als maschinelle Verdichtung einer älteren Vorlage gekennzeichnet ist; sie sind im Text als Bericht des Chronisten benannt. Wie lange das Reych im Stadtbad sippte, ist nicht abschließend geklärt: der Chronist zählt achtzehn Jahrungen, das Archiv belegt den Umbau für 1985 und die erste Sippung im Klöske für 2003, während ein Krefelder Denkmaltag-Beitrag 1983 bis 2002 nennt. Diese Seite legt sich deshalb auf keine Jahresspanne fest. Wo eine Lesung unsicher ist, steht es im Text.
Geschichte der Schlaraffia
🦉 Schlaraffia in Zahlen: Gegründet 1859 · Über 200 Reyche weltweit · 5 Kontinente · Eine Sprache · Eine Gesinnung: Humor, Freundschaft und Kunst.
Die Wiege: Prag, 1859
Es begann mit einer Handvoll Künstler und Intellektueller im Prag des Jahres 1859. Schauspieler, Dichter, Maler – Menschen, die die Schwere der Zeit für einige Stunden ablegen wollten, um gemeinsam zu lachen, zu spielen und Freundschaft zu pflegen. Sie nannten ihre Runde schlicht: Schlaraffia.
Der Name war Programm: Das sagenhafte Schlaraffenland, jenes Land der Leichtigkeit und Freude, sollte für einige Stunden real werden. Kein Standesdenken, keine Hierarchie des Alltags – nur Spiel, Humor und Kunst.
Das Spiel breitet sich aus
Die Idee sprach sich schnell herum. Schon bald entstanden weitere Reyche in anderen Städten des deutschsprachigen Raums: Wien, Berlin, Hamburg, München. Mit der deutschen Auswanderungswelle im 19. und frühen 20. Jahrhundert wanderte die Schlaraffia mit in die Neue Welt.
New York, Buenos Aires, São Paulo – überall dort, wo deutschsprachige Einwanderer eine neue Heimat suchten, gründeten sie auch einen Schlaraffen-Reych. Das Band der gemeinsamen Sprache und des gemeinsamen Spiels hielt sie zusammen – über alle Entfernungen hinweg.
Schlaraffia überlebt die Stürme der Geschichte
Zwei Weltkriege, politische Umwälzungen, Verbote – Schlaraffia hat vieles überlebt. In Deutschland und Österreich wurde die Vereinstätigkeit in den Kriegsjahren eingeschränkt oder unterbunden. Doch kaum war Frieden, lebten die Reyche wieder auf. Dieser Überlebenswille ist kein Zufall: Wo echte Freundschaft herrscht, findet sie immer einen Weg.
Besonders bemerkenswert: Während in Europa manches Reych temporär pausierte, lebte die Schlaraffia in Übersee ungebrochen weiter. Die Allschlaraffia – der weltweite Dachverband – sorgte für Zusammenhalt und Kontinuität.
Die Allschlaraffia – weltweiter Zusammenschluss
Alle Schlaraffen-Reyche der Welt sind in der Allschlaraffia zusammengeschlossen. Dieser Dachverband regelt die gemeinsamen Spielregeln, vergibt Reychs-Nummern und stellt sicher, dass ein Schlaraffe aus Tokyo bei einer Sippung in Frankfurt sofort zuhause ist.
Die Allschlaraffia hält damit etwas aufrecht, das in der modernen Welt selten geworden ist: Eine Gemeinschaft, die auf Werten gründet – nicht auf Profit oder Networking. Humor, Freundschaft und Kunst sind keine leeren Worte, sondern gelebte Praxis bei jedem Treffen.
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