Die Cracauburg im Stadtbad

An der Neusser Straße in Krefeld steht ein Haus, das heute leer ist und um dessen Zukunft seit Jahren gestritten wird: das alte Stadtbad. Achtzehn Jahrungen lang, also achtzehn Jahre, war der Ruheraum seines irisch-römischen Bades die Burg der Schlaraffia Crefeldensis: die Cracauburg. Das Reych hat sie sich mit 100.000 Mark und einem halben Jahr Eigenarbeit verdient, und es musste wieder heraus.

Das prächtigste Bad am Niederrhein

Geplant wurde das Krefelder Stadtbad 1882; 1889/90 wurde es an der Neusser Straße eröffnet. Die Stadt gab dafür 919.134,89 Mark aus — eine Summe, die zeigt, was ihr das Haus bedeutete. Es hatte getrennte Abteilungen, ein Kaiserbad und ein irisch-römisches Bad, und galt als eine der prächtigsten Badeanstalten des Niederrheins.

Zu diesem Bad gehörten ein Ruheraum und ein Umkleideraum: ein Tonnengewölbe mit Umkleidekabinen an der Wand, mit Oberlichtern und einem Deckenleuchter. Genau diese beiden Räume wurden zur Burg.

Eine Stimme Mehrheit

Bis dahin sippte das Reych im Nebenraum einer Gaststätte. Die Bedingungen der Stadt für die beiden Räume im Stadtbad waren hart: 100.000 DM in bar und ein halbes Jahr Renovierung in Eigenarbeit. Dafür sollte das Reych die Räume zwanzig Jahre mietfrei nutzen dürfen.

Im Reych standen Befürworter und Gegner gleich stark. Entschieden wurde mit einer Stimme Mehrheit. Was dann geschah, ist der eigentliche Teil der Geschichte: Danach zog jeder mit. Es wurde gespendet, es wurden Darlehen gegeben, und ein halbes Jahr lang wurde jedes Wochenende gearbeitet.

Am 24. im Herbstmond — schlaraffisch für September — 1985 nahm eine außerordentliche Generalversammlung Pläne und Finanzierung an. Für den 28. im Lethemond, also im Oktober, wurde die Burgweihe angekündigt. Der Chronist des Reyches beschreibt das Ergebnis als eine der interessantesten Burgen des Uhuversums, im puren Jugendstil.

Der Jahrtausendwechsel in eigener Burg

Am 31. Dezember 1999 feierte das Reych in der Cracauburg erstmals den Jahreswechsel im eigenen Haus — und gleich den Jahrtausendwechsel dazu. Wenige Jahre später war die Burg verloren.

Warum das Reych heraus musste

Die Stadt Krefeld konnte das Stadtbad nicht mehr halten. 2000 wurde es vollständig geschlossen; verkauft werden sollte es samt den Räumen, in denen das Reych sippte. Damit war die Cracauburg im Stadtbad zu Ende. Das Reych zog nach Krefeld-Uerdingen, in die alte Kapelle „Et Klöske“, und hielt dort seine erste Sippung am 6. im Lethemond 2003.

Mitgenommen wurde, was sich mitnehmen ließ: die Oberlichter des Ruheraums und der Deckenleuchter. Beides hängt heute in Uerdingen. Wer im Rittersaal nach oben sieht, sieht ein Stück Stadtbad.

Ein Denkmal, das verfällt

Das Stadtbad steht seit dem 4. Juni 1985 in der Denkmalliste der Stadt Krefeld, als Denkmal Nr. 329, Neusser Straße 58/60, datiert „um 1889/90“. Seit der Schließung im Jahr 2000 verfällt es. Es gehört damit zu den bekanntesten verlassenen Orten der Stadt, und seit 2018 wirbt eine Bürgerinitiative für seine Rettung.

Das Reych ist damit in der ungewöhnlichen Lage, in seiner Burgengeschichte zwei eingetragene Baudenkmäler zu führen: das Stadtbad, aus dem es heraus musste, und das „Et Klöske“, das es gerettet hat. Wie es dazu kam, steht in der Geschichte der Crefeldensis; was die schlaraffischen Wörter bedeuten, erklärt das kleine Wörterbuch.

Die Angaben zum Bauwerk — Planung 1882, Eröffnung 1889/90, Baukosten, Kaiserbad und irisch-römisches Bad, Schließung 2000, Denkmaleintrag vom 4. Juni 1985 — sind einzeln nachgewiesen, der Denkmaleintrag in der amtlichen Denkmalliste der Stadt Krefeld. Die Angaben zum Reych stützen sich auf den Kalender der Deutschen Schlaraffen-Zeitung im elektronischen Allschlaraffischen Reychsarchiv und auf einen Chroniktext des Archivs, der als maschinelle Verdichtung einer älteren Vorlage gekennzeichnet ist; Beträge, Abstimmungen und die Zählung der achtzehn Jahrungen gehen auf diesen Chroniktext zurück. Offen ist die Datierung: Das Archiv belegt die Generalversammlung zum Umbau für 1985 und die erste Sippung im Klöske für 2003; ein Krefelder Denkmaltag-Beitrag nennt dagegen 1983 bis 2002. Diese Seite legt sich deshalb auf keine Jahresspanne fest. Ebenfalls offen ist, woher der Name Cracauburg stammt — die Deutsche Schlaraffen-Zeitung nennt eine Cracauburg schon 1963 und 1985 dann eine „neue Cracau-Burg“. Wer dazu Unterlagen, Bilder oder Erinnerungen besitzt, möge sich bitte melden.

Zusatzseiten

„Et Klöske“ — 600 Jahre Hausgeschichte Die Cracauburg im Stadtbad Carl Wilhelm — der Mann hinter der „Wacht am Rhein“ Nachbarreyche — Schlaraffia in der Region Ahallaschrein — unsere Erinnerung Die Crefeldensis in der Presse Zu Gast in der Cracauburg Schlaraffisch für Gäste — ein kleines Wörterbuch

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