Bei der Schlaraffia Crefeldensis in Krefeld-Uerdingen ist die Kultur hausgemacht: Die Mitglieder tragen eigene Gedichte, kleine Reden, Lieder und Musikstücke vor, liefern sich Wortgefechte und messen sich in Vortragswettstreiten. Gäste hören zu und lachen mit. Von Oktober bis April geschieht das jeden Montag ab 20 Uhr im „Et Klöske“.
Was an die Rostra kommt
Vorgetragen wird von der Rostra, dem schlaraffischen Rednerpult, und zwar Selbstgemachtes. Wer ein fremdes Gedicht aufsagt, hat die Hausaufgabe noch nicht ganz verstanden. Die Formen reichen vom gereimten Vierzeiler über die gelehrt klingende Abhandlung bis zur Parodie, und manches entsteht erst im Stegreif, wenn ein Zwischenruf nach einer Antwort verlangt. Jeder Montag hat ein Thema, das die Beiträge bündelt. Im Kalender stehen etwa Gerüche und die Erinnerungen, die an ihnen hängen, oder Erfindungen, auf die niemand gewartet hat. Unter dem Motto „Speisen auf Reisen“ wurde vorgetragen, besungen und bedichtet, ein Thema wird in Krefeld also selten nur auf eine Art behandelt.
Platt, Pointe und Wettstreit
Einen eigenen Ton bringt die Mundartsippung, ein Abend in Krefelder Platt und niederrheinischer Mundart, bei dem Zugezogene merken, dass auch Zuhören eine Kunst ist. Freunde des Wortspiels kommen bei einer Sippung zwischen Schärfe und Scharfsinn auf ihre Kosten. Dazu kommen die Turneys, Wettstreite der Vorträge, über die das Reych selbst entscheidet. Das Aetze-Zupp-Turney ehrt das Andenken an den weiland Rt Kräh-feldensus, die Grünkohlsippung pflegt ihren eigenen Turney, und zum Herbstfest wird ein Minnetourney ausgetragen. Wer den Ritterschlag anstrebt, legt an einem eigenen Abend seine Ritterarbeit vor. Kleinkunst ist hier also auch Gesellenstück.
Musik mit Krefelder Vorgeschichte
Musik gehört in der Cracauburg dazu, und sie hat in diesem Reych einen stummen Zeugen. Im Rittersaal steht die Büste von Carl Wilhelm, der über zwei Jahrzehnte die Krefelder Liedertafel dirigierte und 1854 die „Wacht am Rhein“ vertonte. Die Crefeldensis führt ihn als Ehrenschlaraffen „Donnerhall“; warum gerade ihn, erzählt die Seite über Carl Wilhelm. Vor Weihnachten holt der Feuerzangenbowlen-Abend Musiker in die Burg, und auch die Ahallafeyer, das stille Gedenken an verstorbene Freunde, kommt nicht ohne Musik aus. An der Wand steht in Goldbuchstaben der Wahlspruch In arte voluptas: In der Kunst liegt die Freude.
Selbstgemachtes in der Seidenstadt
Krefelds Kunstleben muss man nicht lange suchen. Es gibt das Kaiser-Wilhelm-Museum, die Häuser Lange und Esters, die Ludwig Mies van der Rohe für zwei Seidenfabrikanten baute und die heute Museen sind, und eine Liedertafel, die einst Mittelpunkt des städtischen Kulturlebens war. Die Crefeldensis ergänzt das um Kunst im kleinen Kreis, die am selben Abend entsteht. Ihr zweiter Ehrenschlaraffe ist der Krefelder Maler Heinrich Campendonk vom „Blauen Reiter“, geführt als „Farben-Camp“. Und der Rittersaal selbst, ein gotischer Chor mit Seccomalerei, ist ein Baudenkmal, in dem montags gereimt wird.
Zuhören ist ein guter Anfang
Als Gast müssen Sie nichts vorbereiten. Viele hören an den ersten Abenden nur zu und bringen später ein paar eigene Zeilen mit, andere bleiben treue Zuhörer, und beides ist recht. Die Themen der kommenden Montage stehen unter Veranstaltungen, Antworten zu Kleidung, Kosten und Anmeldung in den häufigen Fragen. Woher dieser heitere Bund kommt, erklärt schlaraffenfreunde.de unter Was Schlaraffen unter Kunst und Humor verstehen.
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